Blog: 6 Umweltfolgen der Corona Krise

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6 Umweltfolgen der Corona-Krise

Ende letzten Jahres meldete China ein Virus, das sich rasant verbreitet. Mittlerweile sind knapp 200 Länder und über 640.000 Menschen weltweit von dem SARS-CoV-2 Virus, auch als Coronavirus bekannt, betroffen. Wir alle spüren die Auswirkungen des Virus. Und auch, wenn wir uns einig sind, dass die Maßnahmen, wie Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen, wichtig sind, um Risikogruppen zu schützen und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, ist diese Ausnahmesituation sicher nicht leicht für jeden von uns. Darum ist es besonders in der jetzigen Zeit gut, neben der ständig negativen Nachrichten rund ums Virus auch positive Zeilen zu lesen.

Wir Europäer sind Globalisierungsgewinner. Wir machen es uns zunutze, dass Arbeitskräfte in Fernost günstig sind und der Umgang mit Mutter Natur bei der Produktion von immer günstiger werdenden Produkten eine zweitrangige Rolle spielt. Jährlich treffen so Millionen neuer Waren in unsere Häfen ein. Obwohl es durchaus Sinn macht zum Beispiel Bambusprodukte in Ländern wie China produzieren zu lassen, gilt bei allen Produkten, egal wo die Rohstoffe herkommen, schon lange das Credo: Hauptsache günstig und viel. Bevor China im Jahr 2018 aufgehört hat unser europäisches Plastik zu kaufen, sah der Warenkreislauf sogar noch viel verrückter aus. Denn zuvor wurde Plastikmüll aus Europa nach China verschifft, um dort in Fabriken zu Polyesterpullis verarbeitet zu werden. Diese Pullis landeten schließlich als “frische” Ware in unseren Ladenregalen. Es mag nachhaltig klingen womöglich den weggeworfene Müll nun als recycelten Pullover im Schrank hängen zu haben, jedoch sind Containerschiffe schlicht schwimmende Klimasünder.

 

Für viele medizinische Produkte könnte dieser Kreislauf bald ein Ende haben. Denn erst in der Krise merken wir, dass eine globalisierte und dezentralisierte Welt auch Nachteile hat. Wenn in China die Fabriken stillstehen, fehlen in Europa wichtige Bestandteile für Medikamente. Dies könnte zu einer völlig neuen Debatte darüber führen, was wir importieren und was wir selbst produzieren. Womöglich bliebe der Welt so das ein oder andere Containerschiff erspart.

Anfang März hat die NASA (US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft) zum Beispiel berichtet, dass sich ein deutlicher Rückgang der Stickstoffoxidkonzentration in der Atmosphäre über China zeigt. Stickstoffoxide sind Stickstoffverbindungen, die zu einer Vielzahl von negativen Umweltwirkungen führen können. Sie entstehen als Nebenprodukt bei Verbrennungsvorgängen, besonders bei Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfällen. Neben ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung, in Form von Verengungen der Bronchien, haben Stickstoffoxide auch erheblichen negativen Einfluss auf die Umwelt. Die Oxide schädigen Pflanzen und sorgen für ein schnelleres Altern dieser. Außerdem übersäuern sie Böden und in geringem Maße auch Gewässer.

 

Aufgrund des chinesischen Neujahrsfests Ende Januar und den damit verbundenen Schließungen vieler Unternehmen und Fabriken für ca. eine Woche zeigt sich jährlich ein deutlicher Rückgang der Stickstoffoxidkonzentration in China. Normalerweise steigt diese allerdings schon nach kurzer Zeit nach dem Neujahrsfest wieder an. Dieses Jahr war das nicht der Fall. Der Grund dafür ist vermutlich die direkt auf das Neujahrsfest folgende Quarantäne, die in China von der Regierung aufgrund der schnellen Ausbreitung des Coronavirus beschlossen wurde. Viele Fabriken konnten die Produktion nicht oder nur sehr eingeschränkt wieder aufnehmen. Außerdem ist der Straßenverkehr stark reduziert worden, da die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen bleiben mussten. Auf Bildern der NASA, die die Stickstoffoxidkonzentration von Anfang Januar mit der Konzentration von Mitte Februar vergleichen, kann man den Rückgang deutlich erkennen.

 Bildrechte: NASA/ESA/Joshua Stevens

Auch die ESA (Europäische Weltraumorganisation) berichtet von einem Rückgang der Stickstoffoxidkonzentration über Europa, besonders über Italien. Seit der Ausgangssperre für italienische Bürger konnte deutlich eine geringere Stickstoffoxid-Emission über Norditalien gemessen werden. Es wird vermutet, dass sich dieser Trend auch in weiteren Ländern und Kontinenten in den nächsten Wochen beobachten lässt, da es aufgrund von Covid-19 zu weiteren Einschränkungen kommen wird.

Der wenige Verkehr und das Ausbleiben des Tourismus haben in Italien noch andere erfreuliche Effekte: Neben klaren, sauberen Kanälen in der Lagunenstadt Venedig, wurden Delfine an Sardiniens Häfen entdeckt. Das Bürgermeisterbüro von Venedig erklärt sich die sauberen Kanäle durch das Wegbleiben der Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Dadurch werden die Sedimente am Boden der Kanäle nicht mehr aufgewirbelt und das Wasser ist sauberer und klarer und bietet so wieder einen Lebensraum für Fische. Allerdings ist das kein langfristiger Zustand und ändert sich vermutlich sobald der Schiffsverkehr und Tourismus wieder startet. Genau wie die Delfine bei der Rückkehr von Schiffen und Touristen wieder zurück in ruhigere Gewässer ziehen. Im Moment fühlen sich die scheuen Tiere ganz wohl im Hafen von Sardinien, da auch hier das Wasser sauberer und die Gegend ruhiger ist, als noch Anfang des Jahres.

Man könnte meinen, Mutter Natur kann für einen Augenblick aufatmen – im wahrsten Sinne des Wortes! Aber Augenblick ist hier vermutlich auch das richtige Wort. Solange dieser Zustand nur für ein paar Monate anhält, wovon wir derzeit ausgehen können, hat das Coronavirus nur einen geringen Effekt auf die Umwelt, da Produktionen, Verkehr und Weiteres schnell ihren gewohnten Betrieb wieder aufnehmen werden.

Einen negativen Umwelteffekt hat das Virus in Hong Kong. Dort haben Umweltschützer*innen an Stränden der Soko Islands eine Vielzahl von Mundschutzen gefunden. Obwohl die Verwendung dort erst in den letzten zwei Monaten angestiegen ist, sieht man einen deutlichen Effekt auf die Umwelt. In anderen Ländern konnte die Umweltverschmutzung durch die Nutzung der Mundschutze nicht bestätigt werden. Allerdings werden neben dem Mundschutz auch vermehrt Gummihandschuhe zum einmaligen Gebrauch und Desinfektionsmittel verwendet, was eine Vermehrung des Mülls, insbesondere Plastikmüll, prognostizieren lässt.

Egal was genau Wirtschaftsexperten heute prognostizieren: Fakt ist, dass die Corona-Krise schon jetzt einen erschreckend negativen Effekt auf die Weltwirtschaft hat. In Zukunft könnten dieser noch verheerender sein. Dies wird für viele den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten und auch deren Konsumverhalten verändern. In vielen Ländern der Welt ist der Fleischkonsum heute schon deshalb so hoch, weil Fleisch eine günstige Proteinquelle darstellt. Von Nachhaltigkeit kann eben nicht die Rede sein, wenn es ums nackte Überleben geht. Und obwohl die Nachfrage für natürliche und nachhaltige Produkte in den reichsten Ländern der Welt mit Sicherheit steigen wird, wird genauso die Nachfrage nach günstigen, umweltschädlichen Produkten in ärmeren und bevölkerungsreichen Ländern steigen. In welchem Ausmaß das einen Einfluss auf die Natur haben wird, ist schwer abzusehen.

Aber wie am Anfang schon erwähnt, sind besonders gute Nachrichten im Moment sehr willkommen und auch wichtig. Darum sehen wir den Rückgang der Treibhausgase als Chance und vielleicht auch als Weckruf für Viele, die die Auswirkungen der Klimakrise bis jetzt noch nicht gesehen haben. Eine Änderung des Konsumverhaltens und Reduzierung des Straßenverkehrs bewirken vielleicht nicht so große Effekte, wie wenn alles stillsteht, wie es im Moment der Fall ist. Dennoch führt jeder kleine Schritt zu einer besseren Welt und stößt eventuell weitere Steine an.

Zeigt Solidarität!

 

Zum Schluss noch eine weitere positive Nachricht, um euch mit einem positiven Blick in die Welt zu schicken: In diesen schwierigen Zeiten hört man vermehrt von Solidarität, die jeder einzelne zeigt. Das beginnt mit der WG, die sich entschließt für die ältere Nachbarin einkaufen zu gehen, weil diese zur Risikogruppe gehört oder aber auch den verschiedenen Aktionen zur Hilfe von jungen Künstler*innen oder Unternehmen. Aufgrund der Corona-Krise haben besonders kleine Unternehmen gerade wirtschaftliche Probleme. Du kannst diese unterstützen, indem du dich informierst, ob kleine Unternehmen ihre Produkte auch online anbieten oder du Gutscheine für Dienstleistungen kaufen kannst, die du dann später in Anspruch nimmst. Auch unsere Produkte kannst du weiterhin im Online-Shop kaufen. Solange es uns möglich ist, werden diese ohne Probleme geliefert! Aber das Wichtigste, damit wir diese Zeit schnellstmöglich überstehen und alle wieder in die Normalität zurückkehren können: Bleib, wenn möglich, Zuhause und somit gesund!