Blog: vegane Zahnpasta

Blog

Was genau ist an Zahnpasta nicht vegan?

 

Bei einem Großteil herkömmlicher Zahnpasten muss man oft rätseln, da sie weder als "vegan" noch als "nicht vegan" deklariert werden. Das ist natürlich insbesondere für diejenigen, die vollständig auf tierische Erzeugnisse verzichten wollen, ein großes Problem. Beim Zahnpasta-Kauf sollte auf jeden Fall die INCI-Liste auf der Tubenrückseite der erste Checkpoint sein.

Grundsätzlich sollten Veganerinnen und Veganer besonders bei den folgenden vier Inhaltsstoffen stutzig werden. Wer sich auch nach der genauen Prüfung der INCI-Liste unsicher ist, ob wirklich alle benötigten Informationen vorhanden sind, sollte sich im Zweifel ruhig an den Hersteller wenden und sich genau nach den Inhaltsstoffen erkundigen.

 

1. Glycerin

 

Damit Kosmetikartikel wie Zahncremes ihre schöne cremige Konsistenz bekommen, enthalten sie oft ein Feuchthaltemittel. Hierzu dient meist Glycerin. Dabei handelt es sich um einen Zuckeralkohol, der in allen natürlichen Fetten vorhanden ist. Man unterscheidet dabei pflanzliches und tierisches Glycerin. Letzteres wird oftmals aus Schweinefett gewonnen. In herkömmlichen Kosmetika gibt es mittlerweile auch häufig eine dritte Sorte, welche synthetisch im Labor hergestellt wird. Welches Glycerin verwendet wird, kann man als Endkonsument anhand der Verpackung häufig nicht genau sagen, da die Herkunft nicht angegeben werden muss. 

Vegan lebende Personen, die nun befürchten, seit Jahren ihre Zähne mit tierischem Glycerin zu putzen, können sich aber entspannen: wegen der immer strenger werdenden Auflagen für EU-Kosmetika wird Glycerin aus Schweinefett zumindest bei Dentalprodukten mittlerweile sehr viel seltener verwendet. Wirklich sicher sein kann man sich allerdings nur bei entsprechender Deklaration auf der Verpackung. Insbesondere Käufer von Naturkosmetik-Zahncremes können sich hierbei freuen. Diese enthalten aus Prinzip in aller Regel pflanzliches Glycerin und deklarieren dies auch entsprechend in ihren INCI-Listen.

 

2. Lactoferrin

Lactoferrin ist ein antimikrobieller Stoff, der u.a. aus Kuhmilch und Molke gewonnen wird. In der Dentalbranche genießt Lactoferrin den Ruf, bei der Behandlung von chronischer Parodontitis sehr gute Leistungen zu erzielen. Im Gegensatz zu tierischem Glycerin erfüllt Lactoferrin also durchaus eine wichtige zahnmedizinische Funktion.

Wer dennoch strikt gegen die industrielle Verarbeitung von Tierprodukten ist, sollte sich beim Zahncreme-Kauf im Zweifel lieber für ein anderes Produkt entscheiden, das ähnlich gut wirkt. Kokosöl zum Beispiel kann ebenfalls bei bakterienbedingten Zahnfleischproblemen sehr effektiv sein.

 

3. Propolis

Propolis ist eine harzartige Masse, die von Bienen hergestellt wird. Man findet sie an den Fluglöchern von Bienenstöcken. Dieser natürliche Stoff ist in der Herstellung naturkosmetischer Zahncreme oft beliebt, da er auf natürliche Weise antiviral und antibakteriell wirkt. Da er ein Nebenprodukt von Bienen ist, handelt es sich auch bei Propolis um einen Rohstoff mit tierischem Ursprung.

Was Honig und andere Bienenerzeugnisse angeht, spalten sich unter Veganern und Veganerinnen aber auch oft die Meinungen: die weniger strikten Verfechter der veganen Lebensweise empfinden Bienenerzeugnisse oft als weniger problematisch. Wer jedoch gegen den Eingriff des Menschen in tierische Lebensräume ist, sollte auch Propolis-Zahncremes lieber meiden.


 

4. Calciumcarbonat

Man muss keinen veganen Lebensstil verfolgen, um Knochenmehl in Zahncreme nicht gutzuheißen. Es ist keine besonders appetitliche Vorstellung, auch wenn uns bewusst ist, dass Knochenmehl in Form von Gelatine auch häufig in Gummibärchen, Torten oder ähnlichem vorkommt. In Zahnpasta wird Knochenmehl als Abrasiv verwendet. In der INCI-Liste findet man es dann unter dem Namen Calciumcarbonat. Aber nur weil Calciumcarbonat in den Inhaltsstoffen vorkommt, heißt es nicht gleich, dass die Zahncreme Knochenmehl enthält. 

Unsere Zahncreme beinhaltet Calciumcarbonat in Form von Kreide, die aber denselben Zweck erfüllt, nämlich das Reinigen der Zahnoberflächen. Schau dazu gerne bei unserem Blog über das Thema Abrasive vorbei!


Vegane Zahnpasta muss auch Zahnpasta ohne Tierversuche sein.

 

Zahncreme kann nur wirklich vegan sein, wenn sie auch tierversuchsfrei ist, finden wir. Kosmetik ohne Tierversuche im Allgemeinen und damit auch Zahnpasta ohne Tierversuche sind jedoch leider ein recht schwammiges Thema. Streng genommen ist der Verkauf von tiergeprüften Kosmetika in der EU seit 2013 verboten. Diese Regelung erlaubte es jedoch weiterhin, an Tieren geprüfte Produkte von außerhalb in die EU einzuführen.

Seit 2016 bekommen Kosmetika, deren Unbedenklichkeit außerhalb der EU durch Tierversuche nachgewiesen wurde, innerhalb der EU keine Markenzulassung mehr und ohne Markenzulassung darf ein Produkt nicht verkauft werden. Soweit so gut.

International betrachtet hat jedoch auch diese Regelung einige Lücken. Immerhin dürfen Kosmetikfirmen in ca. 80% der Länder nach wie vor an Tieren getestete Kosmetika verkaufen und vermarkten. In einigen Ländern sind Tierversuche für die Markenzulassung sogar streng erforderlich. Wenn also ein international agierendes Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Co. keine Tierversuche macht, heißt das noch lange nicht, dass seine Produkte nicht andernorts regelmäßig an Tieren getestet werden. Aus diesem Grund hat es sich das EU-Parlament zum Ziel gesetzt, Tierversuche bis 2023 weltweit zu verbieten.

Fazit: Wie kann ich sicher sein, eine tierversuchsfreie und vegane Zahnpasta zu bekommen?

 

Wer auch jetzt schon ganz sicher sein möchte, eine vegane Zahnpasta zu kaufen, die nicht irgendwo auf der Welt an Tieren getestet wurde, muss sich vorerst weiterhin auf die Angaben von Herstellern verlassen. Diese sind aber bei Nachfragen von Kunden verpflichtet, wahrheitsgemäße Aussagen zu machen. Sich nach fragwürdigen Inhaltsstoffen zu erkundigen, ist zwar aufwändig, aber durchaus möglich.Vertreibt ein Hersteller nur innerhalb der EU, kann sich der Verbraucher sicher sein, dass auf Tierversuche verzichtet wurden. Während es bei herkömmlichen Zahncremes nicht üblich ist, Informationen wie "vegan" oder "tierversuchsfrei" auf die Verpackungen zu übernehmen, wird diese Herangehensweise unter Herstellern natürlicher Kosmetikartikel aber zum Glück immer beliebter. Im Zweifel sollte man als veganer Kunde also auch beim Zahnpasta-Kauf eher Unternehmen bevorzugen, die das Nein zu Tierversuchen und zu tierischen Inhaltsstoffen ganz bewusst zum Teil ihrer Markenphilosophie machen und dies auch offen kommunizieren.